Abgas-Skandal, Kreuzfahrtschiffe & Urlaubsflieger – Dicke Luft

Dieses Theater zahlen wir alle

Es ist mal wieder ein groteskes Schauspiel das uns allen geboten wird, das in dieser Art wohl nur auf der Bühne Deutschland aufgeführt werden kann. Ein Theaterstück, bei dem sich alles um unglaublich viel Geld, Macht, Betrug, Autos, Arbeitsplätze, die Gesundheit und nicht zu vergessen die Umwelt dreht.

Vorstände der großen Automobilkonzerne, in Ihrer Rolle als Lügner und Betrüger, Politiker als teilweise befangene durch Beteiligungen und lukrative Aufsichtsratsjobs sowie zahlreiche Lobbyisten haben die Bühne betreten.

Die unfreiwillig geladenen Gäste – das Volk – darunter Steuerzahler, Mitarbeiter von Autoherstellern und Autobesitzer, haben auf den billigen Rängen Platz genommen und beobachten gespannt, aber auch irgendwie machtlos, das Geschehen.

Für eilige – geht's hier direkt zu den "Szenen":

Der Blick in die Zeit vor dem Abgas-Skandal

Der Vorhang öffnet sich, aufgeführt wird ein kurzer Rückblick in die Vergangenheit, kurz vor dem Abgas-Skandal als die Welt noch in Ordnung war.

Wir reisen in's Jahr 2008, als deutsche Hersteller den Selbstzünder in Nordamerika erneut etablieren wollen und dazu den Dieselfahrzeugen ein neues Sauberimage durch eigens kreierte, wohlklingende Namen wie „Bluetec“ und „Clean Diesel“ verpassen. Aus Marketingsicht ein kluger Schachzug, der die Absatzzahlen wie gewünscht beflügelte, sich allerdings durch den folgenden Abgas-Skandal in ein wahres Marketing-Desaster mit nicht zu toppendem Vertrauensverlust umkehrte.

Nicht nur in Nordamerika, auch bei uns in Deutschland und sicher auch in vielen anderen Ländern wurden zahllose Dieselfahrzeuge in dem guten Glauben gekauft, dass diese besonders sauber sind, wie dies von den Herstellern und der Politik damals angepriesen wurde.

Der Skandal bricht los

Erneut öffnet sich der rote Vorhang und wir befinden uns im Jahr 2014.

Genau das Jahr, als in den USA eine Studie des Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation und der Universität West Virginia bei einigen Volkswagen-Modellen gegenüber den Zulassungen deutlich erhöhte Emissionswerte aufdeckt. Zu dumm, dass dann wohl doch jemand tatsächlich mal richtig nachgemessen hat. Das kuriose daran ist, dass das Ziel dieser Studie gar nicht der Nachweis der dadurch aufgedeckten Abgas-Manipulation war. Vielmehr dachten die Tester bei den extrem überhöhten Messwerten anfangs noch an einen Defekt Ihrer Messtechnik! Erst als dies ausgeschlossen werden konnte, wurde die Studie der US-Umweltbehörde EPA übergeben…

Da nun alles schwarz auf weiß bei der Umweltbehörde vorlag, blieb Volkswagen-USA am 03.09.2015 wohl nichts anderes mehr übrig, als zumindest vor der US-Umweltbehörde EPA die Manipulation der Abgaswerte einzuräumen. Leider nahm das VW noch nicht zum Anlass, auch die Öffentlichkeit zu informieren, hatte man dort wohl noch die Hoffnung, alles wie gewohnt unter den Tisch zu kehren.

Doch da haben VW, sowie die anderen später aufgeflogenen deutschen Hersteller, die Rechnung wohl ohne die Amerikaner gemacht. Denn die legen ja tatsächlich, in einigen Bundesstaaten, seit mindestens den 70er Jahren großen Wert auf eine Begrenzung der Fahrzeug-Abgas-Emissionen und hatten teilweise strengere Abgasvorschriften als wir in Deutschland. Wer dies vielleicht, auch auf Grund der riesigen amerikanischen Verbrauchsmonster heutzutage, nicht recht glauben mag, sollte einmal an die Einführung der Katalysator-Pflicht in Teilen der USA denken, die viele Jahre bevor wir das Wort überhaupt kannten, dort bereits gesetzlich vorgeschrieben war.

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Aber unabhängig davon, sicherlich sind die Amerikaner auch sehr daran interessiert, die starke deutsche Fahrzeugkonkurrenz zu schwächen und da kam dieser Skandal nun gerade Recht. Einen weiteren Versuch die ausländische Konkurrenz auszustechen, erleben wir ja gerade brandaktuell durch die unter Donald Trump durchgeboxte Einführung von Strafzöllen für bestimmte Güter der EU und anderer Länder.

So kam es wie es kommen musste und am 18. September 2015 hat Volkswagen – nach der Veröffentlichung der Vorwürfe durch die US-Umweltbehörde EPA – mit einer öffentlichen Bekanntmachung den Stein richtig in's Rollen gebracht, der nach und nach auch die anderen großen, vor allem deutschen Hersteller, mit sich gerissen hat und sich seitdem zu einer wahren Lawine entwickelte. Auch wenn alle namenhaften Hersteller wie sich zunehmend zeigte „Dreck am Auspuff haben“, betrachte ich hier im Detail weiterhin VW. Denn mit VW fing alles an und dieser Konzern spielt die größte Rolle bei diesem Skandal. Dieser Skandal hat nicht nur das Vertrauen in die gesamte deutsche Autoindustrie vernichtet sondern auch die Kontrollbehörden sowie die verantwortlichen Ministerien und Behörden in den Dreck gezogen.

Der Betrug und wie es dazu kam

Wir tauchen ein in die dritte Szene und finden uns – viele Jahre zuvor – in den Entwicklungsbüros der Hersteller wieder. Lange vor dem Skandal rauften sich die Führungskräfte, Entwicklungsingenieure, Motoren- und Softwareentwickler die Haare, wie die strengen Abgasvorschriften der USA und die der anderen Kundenländer erreicht werden können. Immerhin lockt ein riesen Geschäft.

Und hier fand sich die Lücke eigentlich in einem Versagen der Zulassungsbehörden. Denn diese haben gutgläubig auf der Suche nach einheitlichen und reproduzierbaren Prüfverfahren die vorgeschriebenen Prüfungen, für das Erfüllen der Abgasnormen, als Test-Zyklen auf Prüfständen definiert. Dass solche Prüfstandsversuche einerseits nicht viel mit realem Fahrbetrieb zu tun haben ist eine Sache. Dass aber die Autohersteller ihre Motorsteuerungen so programmiert haben, dass diese eben genau diese Prüfstands-Zyklen erkennen und es so ganz einfach ist, das Motor- und Abgasverhalten für den Prüfstand zu optimieren, hatte wohl keine Behörde vorher bedacht. Vielleicht wollte sich auch keiner so recht vorstellen, dass die Hersteller tatsächlich so dreist sind, über sogenannte Abschalteinrichtungen in der Motorsteuerung der Diesel-Fahrzeuge, die Abgasreinigung im realen Fahrbetrieb mindestens teilweise abzuschalten. Offensichtlich hat bei der Autoindustrie keiner der Beteiligten Skrupel gehabt, dass die TDIs sobald sie vom Prüfstand auf die Straße in die normale Alltagsnutzung rollen, aus dem Auspuff ein Vielfaches der gesundheitsschädlichen Stickoxide blasen. Und hier spricht man vom 40fachen des zulässigen Wertes!

Betroffen sind laut VW Motoren mit der Abgasnorm Euro 5, Motoren der strengeren Abgasnorm Euro 6 sind nach Konzernangaben angeblich nicht manipuliert. In Summe sollen weltweit elf Millionen Fahrzeuge von VW, Audi und Skoda mit einer illegalen, manipulierten Software verkauft worden sein. Ob das stimmt wird sich zeigen. Getreu dem alten Spruch: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“ geriet jüngst die VW-Tochter Audi erneut in die Schlagzeilen mit weiteren betroffenen Motoren… Also wird offensichtlich noch immer nicht mit offenen Karten gespielt.

Bisher ging es in dem Abgas-Skandal ja „nur“ um Stickoxide (NOx). Als wäre das noch nicht genug, räumt Volkswagen am 03.11.2015 zusätzlich ein, dass bei internen Untersuchungen Auffälligkeiten bei den CO2-Werten zahlreicher Modelle aufgefallen sind. Hierbei könnten laut VW weltweit bis zu 800.000 weitere Fahrzeuge betroffen sein.

VW-Betrug mit 44 Jahre alter Geschichte

Wer glaubt, dass ein derartiger Betrug eine neue Erscheinung ist, der irrt. Denn bereits 1974 fiel der Umweltbehörde in den USA bei VW-Bussen der Modellreihe T2 Schummeleien bei den Abgaswerten von Benzinmotoren auf. Das konnte VW damals noch mit einer überschaubaren Strafzahlung in Höhe von 120.000 US-Dollar aus der Welt schaffen.

VW-Bus Modellreihe T2

Damals wurde extra dafür der neue Begriff „defeat device“ von den Amerikanern geschaffen. Damit wurde eine Einrichtung bezeichnet, die Vorrichtungen zur Abgasreinigung deaktiviert. Und genau dieser Begriff wird nun 44 Jahre danach wieder für den gleichen Betrug desselben Herstellers verwendet. Hat da jemand aus der Geschichte nicht gelernt, oder sind die lockenden Gewinne höher, als die zu erwartenden Strafen? Davon ist aus heutiger Sicht eher nicht auszugehen, denn bislang soll die Abgas-Manipulationen den VW-Konzern mehr als 25 Milliarden Euro gekostet haben.

Analysten der Norddeutschen Landesbank gehen sogar davon aus, dass sich die Kosten für VW auf Grund des Abgas-Skandals für Strafzahlungen, Rückrufaktionen, Entschädigungen für Wertverlust und mögliche Schmerzensgeldforderungen auf 30 Milliarden Euro summieren werden. Der darüber hinaus entstandene immense Imageverlust lässt sich ohnehin nicht beziffern.

Entwicklung der Volkswagen AG und des Diesel-Absatzes

2015, als die Verkaufszahlen der Dieselfahrzeuge noch weitgehend unbeeinflusst von der Abgas- und Dieselaffäre waren, wurden in Deutschland 48% der Fahrzeuge mit einem Dieselantrieb zugelassen. Im Folgejahr 2016 haben sich immerhin noch 45,9 % aller Käufer für einen dieselbetriebenen Pkw entschieden. Erst im Jahr 2017 brach der Dieselabsatz auf dem deutschen Markt auf 38,8 % ein. Tendenz weiter deutlich sinkend. Bei den Zahlen könnte man schnell vermuten, dass beispielsweise VW mit riesigem Umsatzrückgang zu kämpfen hat, doch weit gefehlt! Beflügelt durch das internationale Geschäft, kann VW sogar mit den besten Zahlen der Firmengeschichte glänzen. In diesem Jahr hat VW über 10,7 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, mehr als jemals zuvor. Weitere Rekorde wurden beim Umsatz mit 230,7 Milliarden Euro und beim operativen Ergebnis in Höhe von 13,8 Mrd. Euro erzielt und das bei bereits berücksichtigten 3,2 Mrd. Euro negativer Sondereinflüsse. Volkswagen sagt dazu selbst:

Unser operatives Geschäft ist stark, die finanzielle Lage des Konzerns robust.

VW Geschäftsbericht 2017

Das Groteske daran wird in der folgenden Szene deutlich.

Lobbyisten beeinflussen unsozial

Klar, die Autoindustrie ist ein riesen Wirtschaftsfaktor und wichtiger Arbeitgeber in Deutschland. Aber wie weit darf die Unterstützung durch die Lobbyisten auf Kosten aller gehen?

Ist es nicht schon absurd, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Ausweitung der Kurzarbeiterregelung auch auf VW-Leiharbeiter in Aussicht stellte, die natürlich durch Steuern/Lohnnebenkosten aller Bürger bezahlt werden soll? Einerseits hatte er recht, dass die Arbeitnehmer nicht den Preis für die Verfehlungen von Managern zahlen sollten. Andererseits kam ihm scheinbar nicht in den Sinn, dafür die verantwortlichen Manager und die Konzerne, also die Verursacher der Misere, die nebenbei bemerkt Rekordgewinne einfahren, zur Kasse zu bitten?! Dass die Allgemeinheit dafür wieder zahlen und bluten soll, ist alles andere als sozial und auch angesichts der hohen VW-Gewinne absolut nicht nachvollziehbar.

Dass die VW-Lobby besonders im Land Niedersachsen sehr stark ist, wird mehr als klar, wenn man die 20,2% Beteiligung an der Volkswagen AG sieht, die das Land hält. Dadurch stehen dem Land Niedersachsen zwei Plätze im VW-Aufsichtsrat zu, die aktuell von Stephan Weil, Niedersächsischer Ministerpräsident und Dr. Bernd Althusmann, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung besetzt sind. Interessenkonflikte sind somit natürlich vorprogrammiert und genau das wurde ja auch schon oft öffentlich angeprangert. Aber wen in unserer Regierung interessiert schon die öffentliche Meinung.

Der Vorhang fällt, Spielpause zwischen den Szenen, Zeit für eine kurze Werbung.

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Ende der Spielpause, die Zuschauer kehren zurück, das Theater füllt sich erneut.

EU verklagt Deutschland wegen Luftverschmutzung

Auch das noch, als hätten Politik und Autoindustrie nicht schon genug mit der Schadensbegrenzung des Abgas-Skandales zu tun, verklagt ausgerechnet jetzt die EU-Kommission Deutschland und fünf weitere EU-Staaten vor dem EuGH wegen zu schlechter Luft in den Städten.

EU-Umweltkommissar Karmenu Vella führt in Brüssel an, dass die Länder es versäumt hätten, sich für die Einhaltung der Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide wirkungsvoll einzusetzen.

Genau zu diesem seit Jahren bestehenden Problem der Luftverschmutzung hat sich die Regierung offensichtlich darauf verlassen, dass die Autoindustrie ja zunehmend härtere Abgasgrenzwerte umsetzt und einhält. Und eben das war, wie nun der Abgas-Skandal ans Licht brachte, absolut nicht der Fall.

Erste Fahrverbote für Dieselfahrzeuge

Also müssen schnell Lösungen her und da fallen einigen Verantwortlichen nur schwachsinnig umgesetzte Diesel-Fahrverbote ein. Als erste deutsche Stadt hat Hamburg seit dem 31.05.2018 zwei Teilstrecken für Durchfahrtsverkehr und für bestimmte Dieselfahrzeuge gesperrt. Zum einen wurde ein 580 Meter langer Teil der Max-Brauer-Allee für Dieselfahrzeuge gesperrt, die nicht die moderne Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Zum anderen hat Hamburg einen 1,6 Kilometer langen Abschnitt der Stresemannstraße für ältere Diesel-Lkw gesperrt werden, nicht aber für Pkw. In beiden Fällen werden Umleitungsstrecken für betroffene Fahrzeuge empfohlen. Man mag es kaum glauben, diese weisen eine mehrfache Länge der gesperrten Strecke auf. Das heißt, dass sogar noch mehr Abgase als ohne dieses Verbot erzeugt werden, allerdings in den benachbarten Straßen. Dazu kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

Zwangsstilllegungen, Lieferstopps, neue Messverfahren

Die Zeit drängt. Die Behörden machen Druck und drohen mit Zwangsstilllegungen von betroffenen Fahrzeugen, wenn diese nicht durch technische Nachrüstungen die vorgegebenen Werte erfüllen. Und das nicht nur in Deutschland sondern auch in den USA und in weiteren Ländern.

Die beschriebene Klage der EU bezüglich der Luftverschmutzung macht ebenfalls Druck auf Städte, Kommunen und die Politik.

Zudem verunsichern die beschriebenen eingeführten Fahrverbote in Hamburg und das Androhen von Fahrverboten für ganze Innenstadtbereiche in anderen Großstädten die Besitzer betroffener Autos. Auch Käufer wissen derzeit nicht, ob sie überhaupt noch ein Dieselfahrzeug kaufen sollen.

Sogar die Autoindustrie kämpft mit selbst auferlegten Auslieferstopps von ganzen Fahrzeugserien, von denen sie mittlerweile zugeben, dass sie sie manipuliert haben.

Zusätzlich verzweifeln die Autoproduzenten derzeit offenbar am neuen realitätsnäheren Abgas-Messverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) das ab 1. September 2018 gelten wird. Beispielsweise verkauft BMW im kommenden Jahr unter anderem deren Flagschiff, den 7er BMW mit Benzinmotor nicht mehr, da für das Bestehen der neuen Messverfahren auch Benziner jetzt einen Partikelfilter benötigen. Diese werden aber noch nicht in ausreichender Menge produziert. Eine menge Aufwand kommt außerdem auf die Autohersteller zu, um ihre Fahrzeuge auf zukünftige Abgastests unter realen Fahrbedingungen im RDE-Zyklus (Real Drive Emissions) vorzubereiten. Da hat die Autoindustrie wohl mit Ihrem Megabetrug schlafende Hunde geweckt, die jetzt alles richtig machen wollen, um zukünftig derartige illegale Tricksereien auszuschließen. Für den Kunden hat dies nebenbei den positiven Effekt, dass bei diesen Tests endlich auch realistischere Kraftstoffverbräuche der Fahrzeuge ermittelt werden und wir nicht schon wie bisher in den tollen Verkaufsprospekten nach Strich und Faden belogen werden.

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Nachrüstung als Lösung

Zurück zum Abgasskandal fällt der Autoindustrie jetzt ganz plötzlich ein: Ach wir beheben das mit Softwareupdates und versprechen den Autobesitzern, dass weder Leistungseinbußen noch ein Mehrverbrauch an Kraftstoff entstehen. Ja für wie bescheuert hält denn die Autoindustrie ihre Kunden? Vorher musste sie bei der Software aufwendig betrügen und dann soll alles auch ganz einfach mit einem Softwareupdate erledigt sein?! Ja sicher, dann hat bestimmt auch gleich einer von ihnen das unmögliche Perpetuum mobile erfunden? Mit uns, den dummen Kunden und Behörden kann man es ja machen, oder vielleicht doch nicht? Nun hat man wohl leider auch schon nachgemessen und festgestellt, dass reine Softwareupdates doch nicht ausreichen – was für eine Überraschung.

Immerhin hat die Fahrzeugindustrie ja zugegeben, dass man mit einer aufwendigeren Hardware-Umrüstung, die wohl um 5.000€ je Fahrzeug kosten soll, tatsächlich die beim Verkauf versprochene Sauberkeit erreichen könnte. Aaaaber das ist der Industrie ja zu teuer und gedeckt von den Lobbyisten und unserer handlungsunfähigen Regierung ist sie bislang auch damit durchgekommen. Dass auf der anderen Seite die betroffenen Fahrzeugbesitzer – durch diesen Betrug der Autoindustrie – Wertverluste von teilweise über 50% verkraften müssen, die also meist viel teurer sind als die Nachrüstung, zählt ja in Deutschland nicht. Da müsste man sicher mal deutlich daran erinnern, dass nicht die Kunden sondern die großen Autokonzerne den Betrug der dazu führte begangen haben!

Nicht auszudenken, wie Händler mit den Verlusten umgehen sollen, wenn ganze Leasingflotten betroffener Fahrzeuge von Großkunden zurückkommen, die keiner mehr für halbwegs angemessenes Geld kaufen wird. Auch heute schon bekommt man seinen Diesel kaum noch bei einem Händler, geschweige denn bei einem Privatmann los. Denn keiner weiß, was bezüglich Fahrverboten usw. noch kommt…

Eine riesen Sauerei der Autokonzerne und Politik muss ich sagen. Und das, obwohl es mich selbst glücklicherweise nicht einmal direkt betrifft.

Entschädigung deutscher Kunden – Fehlanzeige

Ob es uns gefällt, oder nicht. Die Amerikaner machen es richtig und machen der Fahrzeugindustrie mit Milliardenstrafen klar, dass man so einen Betrug an Mensch und Umwelt besser nicht begeht. Und vor allem bekommen die betroffenen Bürger dort unkompliziert eine entsprechende Entschädigung, beziehungsweise die Hersteller müssen die Autos, wie es sich gehört, sogar zurücknehmen. Damit bleiben die amerikanischen Kunden nicht wie die deutschen auf großen Wertverlusten sitzen.

So soll die durchschnittliche Entschädigungssumme je US-Kunde, der sein vom Abgas-Skandal betroffenes Auto an VW zurückgibt, rund 21.500 US-Dollar betragen. Kunden die sich anstelle der Fahrzeug-Rückgabe an den Hersteller für eine für den Kunden kostenlose Umrüstung entscheiden, erhalten in den USA zusätzlich einen Ausgleich, je nach Alter und Wert des Autos, zwischen 5.100 und etwa 10.000 US-Dollar als Schadenersatz. Das ist doch eine ganz andere und vor allem angemessene Vorgehensweise gegenüber Kunden aus Deutschland und Europa die wieder einmal leer ausgehen. Der ein oder andere Kunde wird daran beim nächsten Fahrzeugkauf bestimmt noch denken.

Kreuzfahrtschiffe als Luftverpester

Ungeachtet dessen, dass der Abgas-Skandal natürlich tatsächlich eine Sauerei ungeahnten Ausmaßes ist und die Verantwortlichen endlich dafür haftbar gemacht werden müssen, sollte man aber auch einmal über den Tellerrand sehen, wie gravierend die Luftverpestung durch den Fahrzeugverkehr insgesamt ist.

Da fallen neben der Schadstoffemission durch die Industrie schnell noch Schlagworte wie „Kreuzfahrtschiffe“ oder der „Flugverkehr“ ein.

Besonders der immense Schadstoffausstoß der Kreuzfahrtschiffe, auch sogenannter Luxusliner, wird hier oft als Vergleich zum Verkehr angeführt.

Kreuzfahrtschiff mit deutlich sichtbarem Schadstoffausstoß

Allerdings ist dieser Vergleich tatsächlich sehr schwer, denn es handelt sich um sehr verschiedene Schadstoffe, die dabei meist in einen Topf geworfen miteinander verglichen werden. Meist folgen Aussagen wie: „Die 15 größten Seeschiffe der Welt stoßen jährlich mehr schädliche Schwefeloxide als der gesamte Fahrzeugverkehr aus“. Das ist zwar richtig, doch hat das überhaupt nichts mit dem derzeitigen Abgas-Skandal-Problem der Stickoxide (NOx) oder den CO2-Werten des Fahrzeugverkehrs zu tun. Nebenbei bemerkt ist das auch seit Einführung schwefelfreier Treibstoffe im Fahrzeugverkehr eine logische Konsequenz, dass im Fahrzeugverkehr kaum Schwefeloxide entstehen. Da die Freizeitpötte und sonstige Großschiffe allerdings überwiegend „dreckiges“ Schweröl verbrennen, das bis zu 3,5% Schwefel enthalten darf, hauen diese tatsächlich Unmengen Schwefeloxide aus den riesigen Schornsteinen.

Auch der sehr problematische und immense Feinstaubausstoß dieser Schiffe wird von vielen übrigens nicht betrachtet.

Dies alles ließe sich sicher bei den Schiffen auch deutlich verbessern, jedoch hat scheinbar keiner ausreichend Interesse daran. Vorgeschoben wird hier als Grund, dass die Schiffe ja oft, oder wahrscheinlich sogar meist, nicht in Deutschland zugelassen sind und damit auch nicht unseren Gesetzen unterliegen. Doch wo ist das Problem? Deutschland wie auch andere interessierte Länder könnten sehr wohl sagen, wer sich nicht an bestimmte Regeln hält, die endlich zu definieren wären, darf schlicht in diesen Ländern nicht mehr anlegen! Ich wette es würde sich schnell etwas ändern…

Auch ohne hier genau die Zahlen vergleichen zu wollen, denn das würde fundierte und aufwändige Untersuchungen dazu erfordern, kann man bestimmte Fakten festhalten:

  • Kreuzfahrtschiffe fahren für ein reines Freizeitvergnügen! Trotzdem wird hier nichts geregelt und sie sind definitiv zumindest so „dreckig“, dass beispielsweise bei Windstille schon Oberdecks zum Schutz der Gesundheit der Passagiere geschlossen wurden, weil der Dreck nicht wie erhofft weggeblasen wird.
  • Für bestimmte Dieselfahrzeuge wird in Städten und Regionen über ein Fahrverbot nachgedacht, obwohl viele Autofahrer keine Alternative für den Weg zur Arbeit haben.
  • Kreuzfahrtschiffe decken auch im Hafen Ihren mega Strombedarf mit riesigen Verbrennungsmotoren und Hafen-Städte wie Hamburg haben bereits dadurch Probleme mit zu hoher Luftverschmutzung durch diese Abgase. Und das obwohl die Schiffe auch über feste Stromleitungen versorgt werden könnten. Doch das ist den Schiffsbetreibern ja zu teuer. Und da kommt das „Beste“: Überlegt doch tatsächlich die Politik schon, ob man nicht steuersubventionierten Strom für die Schiffe bereitstellen sollte. Nicht dass die Spaßtour auf dem Riesenpott den Reisenden noch ein paar Euro mehr kostet. Da bittet man doch lieber den Steuerzahler zur Kasse! Sorry, aber diese Politiker sollte man mal, bei Ihrer Verbundenheit zur Seefahrt, zum kostenlosen Kielholen einladen, ich finde sie sollten ja auch ihren Spaß haben! ;) Offensichtlich haben wir nur noch Waschlappen unter den Politikern! Man man, im Hafen einen festen Stromanschluss vorschreiben und wer das nicht akzeptiert, soll doch beispielsweise im Fall der Nordsee außerhalb der 12 Seemeilen-Zone festmachen und die Passagiere samt Ladung mit Ruderbooten an Land bringen.

Flugverkehr mit weitreichenden Folgen

Beim Flugverkehr finden wir eigentlich eine ähnliche Situation mit großer Umweltbelastung unter anderem durch den Ausstoß von Kohlendioxid, Stickoxiden und Partikeln vor.

Die "schönen" Kondensstreifen sind weit umweltschädlicher, als man denken könnte!

Allerdings findet diese zum Großteil in großen Höhen statt und belastet dadurch nicht so sehr die Stadtluft, abgesehen von Start und Landung der Flugzeuge. Die Auswirkungen dieser Stoffe sind allerdings in den Flughöhen rund dreimal größer als am Boden und verstärken so den Treibhauseffekt. Die Fliegerei zieht also andere, aber ganz sicher nicht unwichtigere Probleme nach sich, aber diese gehören nicht in diesen Blogpost… Ich möchte nur zwei Fragen dazu in den Raum stellen, die sich jeder Anbetracht des extrem gestiegenen Flugverkehrs mit übrigens weiter stark steigender Tendenz, selbst beantworten sollte:

  • Ist es wirklich sinnvoll, dass Innereuropäische Flüge zu so unrealistischen Preisen den Flugverkehr verstärken, dass beispielsweise Leute zum Shoppen für 19€ nach London und zurück fliegen? Einfach nur weil es so billig ist..
  • Ist es zeitgemäß und vor allem notwendig, dass der kommerzielle Flugtreibstoff Kerosin nach der Gesetzgebung aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union steuerfrei ist? Übrigens außer in den Niederlanden! Oder sollten wir da vielleicht von den Niederländern lernen? Dies wird u.a. auch von Umweltverbänden schon lange gefordert. Dann gäbe es vielleicht weniger unnötige Spaßflüge die fast nichts kosten und damit deutlich weniger Umweltverschmutzung. Abgesehen von riesigen Steuermehreinnahmen, mit denen man die Bevölkerung an anderer Stelle entlasten könnte...